Editorial des Präsidenten

Liebe Freunde des Mozarteumorchesters,

auf unserer Webseite  finden  Sie wie gewohnt eine Vorschau der Konzerte des  Mozarteumorchesters,  beginnend mit der Eröffnung der Mozartwoche, endend mit dem Aus-druck der Hoffnung, die wegen des vierten Lockdowns abgesagten Veranstaltungen nachholen zu können. Das leidige Virus hat uns ja leider immer noch nicht verlassen und es wird dies so bald nicht tun.

Die  Menschheit  muss  lernen,  Covid  19  zu  beherrschen, die sie es mit der Pest, den Pocken und der Cholera geschafft hat. Die Chancen dafür stehen gut, da eine große Anzahl von in der Wissenschaft tätigen, gescheiten Leuten sich intensiv damit befasst. Da die Geschichte der Wissenschaften auch eine der Irrtümer ist, müssen wir Geduld haben. Aus Irrtümern wächst neue Erkenntnis, die zu gangbaren Wegen führt. Auch dies lehrt uns die Geschichte. Eine komplette Vernichtung aller schädlichen Viren und Bakterien, die auf dieser Welt existieren und immer wieder neu entstehen, ist unmöglich. Die Natur mutiert, im Guten wie im Schlechten. Es geht wie so oft im Leben um das Erreichen einer vernünftigen Mitte zwischen Sicherheit und Risiko. Diese ist zu schaffen, wenn wir selbst vernünftig bleiben und uns verlorene Freiheiten nicht mit Gewalt erkämpfen wollen, sondern in Ruhe versuchen, uns selbst und die Mitmenschen zu schützen, bis die Tore sich wieder öffnen und die Masken wieder fallen.

Die Sache ist nicht einfach, doch es gibt etwas, das uns helfen kann. Es ist die Kunst. Es sind die Bilder, die wir betrachten, die Bücher, die wir lesen und natürlich die Musik, die wir hören können. Und es ist die Gnade der Erinnerung. Wir haben einen schönen Sommer und Herbst hinter uns, mit vielen Begegnungen mit Menschen und mit  Kunst.  Es  gab  packendes Theater  und  faszinierende  Konzer-te. Im späten November, als die Nebel aufzogen, kam die nächste Prüfung unseres Vermögens, durchzuhalten. Dazu braucht es keine banalen Durchhalteparolen, sondern die Fähigkeit, sich an den Dingen zu freuen, die für unsere Vorfahren in den Zeiten der Pest, der Pocken und der Cholera noch viel schwerer zu erreichen waren. Wir sind umgeben von modernen Medien, die uns gestatten, weiterhin die  Kunst  zu  genießen. Auch  wenn Tonkonserven,  pernstreams und Bildschirmkonzerte das Erleben in Räumen und in der Gruppe nicht – und nie! – ersetzen können, sind wir doch privilegiert.

Der Winter wird auch diesmal in den Frühling führen. Der „Liebe Augustin“, diese wundersame Symbolfigur, die natürlich auch eine Augusta sein kann und was es alles sonst noch im Regenbogen des Lebens gibt, wird auch diesmal wieder aus der Pestgrube steigen, die Fiedel  nehmen  und  singen.  Unmaskiert  und  ohne Abstandsregeln. Der Abstand, den die Vernunft uns derzeit gebietet, einzuhalten, wird sich in Umarmungen lösen. Wenn Sie dies lesen, sind vielleicht die ersten Hoffnungszeichen schon da. Halten Sie unseren tapferen Musikerinnen und Musikern die Treue und freuen wir uns gemeinsam auf ein frohes Wiedersehen und Wiederhören!

Mit herzlichen Grüßen
Ihr Gottfried Franz Kasparek
Präsident des Vereins der Freunde de Mozarteumorchesters