Sport oder Musik?

Sport oder Musik?

Peter Branner im Gespräch mit Johanna Furrer

Gesehen wurde sie immer wieder in der Cello-Gruppe, da sie schon während ihres Studiums im Orchester substituiert hat. Seit Ende März zählt sie das Mozarteumorchester nun fix zu seinen Mitgliedern.

Beim Namen „Furrer“ drängt sich für den Musikfreund die Frage auf, ob Sie mit dem Schweizer Komponisten Beat Furrer in einer verwandtschaftlichen Beziehung stehen?

Nein, es besteht keine Verwandtschaft. Den Namen gibt es öfters.

Wenn Sie an Ihr Probespiel zurückdenken, wissen Sie noch, gegen wie viele Mitbewerber Sie antreten mussten und was Sie gespielt haben?

Es waren an die vierzig „Konkurrenten“. Bei der ersten Runde, die hinter dem Vorhang stattfand, war es das Haydn-Konzert D-Dur und zwei Orchesterstellen. Eine davon war der Beginn der 7. Symphonie von Bruckner mit der schönen Cellostelle.

Sie wirken so ruhig und gelassen. Waren Sie damals sehr aufgeregt?

Ich war schon aufgeregt, aber auch sehr konzentriert, denn immerhin geht es um etwas.

Sie haben in Salzburg studiert. Bei wem?

Sechs Jahre bei Prof. Enrico Bronzi an der Universität Mozarteum.

Und davor?

Da war ich im Musikgymnasium Feldkirch. Geboren bin ich in Bregenz und aufgewachsen in Dornbirn. Mein Vater ist Schweizer und meine Mutter Grazerin.

Haben Ihre Eltern eine Beziehung zu Musik?

Mein Vater ist Geiger und unterrichtet an der Musikschule in Dornbirn. Am Konservatorium in Feldkirch hat er eine Lehrpraxis. Daheim spielt er viel Kammermusik. Meine Mutter spielt Cello nur hobbymäßig. Sie arbeitet im Stadtmuseum von Dornbirn.

Und wie kamen Sie zum Cello?

Es war von Anbeginn mein Instrument. Schon als Kind mit vier Jahren habe ich die Geige meines Vaters als Cello verwendet. Ich hatte eine sehr schöne Kindheit und wurde nie gedrängt zum Üben. Es verlief alles sehr natürlich und zwanglos. Das erscheint mir heute sehr wesentlich.

Wann war der entscheidende Moment, Musikerin zu werden?

Der kam relativ spät, denn ich habe mich auch sehr für den Fechtsport interessiert, war sogar Staatsmeisterin. Mit vierzehn musste ich dann eine Entscheidung treffen: Sport oder Musik? Mit fünfzehn kam ich in das Musikgymnasium nach Feldkirch. Dort wurde mir mein künftiger Weg schnell klar.

Wie ging es weiter?

Nach der Matura kam die Frage, wo werde ich studieren? In München, Basel oder Salzburg? Letztlich habe ich mich für Salzburg entschieden. Der Unterricht von Prof. Bronzi war für mich damals genau das Richtige.

Was heißt „genau das Richtige“?

Es war sein Spiel, sein ungeheures Wissen und sein großes Künstlertum, das mir viel gebracht hat. All dies hat mir dann in Paris bei meinem Studium bei Marc Coppey sehr geholfen. Paris hat eine gute Cello-Schule, aber eine sehr technische.

Heißt das, Sie hatten sehr gegensätzliche Lehrer, Bronzi, den emotionalen Künstler und Coppey, den eher kühlen Techniker?

Genauso ist es!

An der Uni haben Sie wann abgeschlossen?

Im vergangenen Juni. Ich hatte noch mein Absolventenkonzert für den Mastertitel zu spielen.

Wie kamen Sie zu Ihrem besonderen Instrument?

Mir kommt vor, dass einen das Instrument durch eine glückliche Fügung findet. Jedenfalls bei mir war es so, es hat mich gefunden. Für mein Konzert zum Bachelor bekam ich von einer Schweizer Stiftung das Cello geliehen. Da der Leihgeber bereits verstorben war, ergab sich die Möglichkeit es zu erwerben.

Ich nehme an, ein solches Instrument ist sehr teuer und nicht leicht zu finanzieren.

Deshalb habe ich sehr gespart. Ich habe viel gespielt und mir für diesen Zweck immer etwas auf die Seite gelegt. Ich hatte aber auch das Glück, dass mich meine Eltern während des Studiums unterstützt haben.

Sie haben während Ihres Studiums öfters im Mozarteumorchester substituiert. Haben Sie auch in anderen Orchestern gespielt?

Im Gustav Mahler Jugendorchester und im Orchester Mozart von Claudio Abbado.

Das war sicher ein großes Erlebnis. Was war das Besondere an Abbado?

Seine Fähigkeit, im Konzert quasi zu „explodieren“. Die Proben hingegen waren sehr fokussiert und konzentriert. Im Konzert war er ganz präsent, hat mit Blicken und Gesten zu motivieren verstanden, so dass man selber gespannt war und alles gegeben hat. Ich verehre ihn sehr als Musiker und Dirigenten.

Gibt es noch andere große Dirigenten, die Sie erlebt haben?

Beim Festival von Riccardo Muti in Ravenna spielte ich beim Cherubini-Orchester mit. Muti war bei den Proben ziemlich lustig. Er hat viele Geschichten erzählt und versucht, uns zum Lachen zu bringen.

Haben Sie sich auch solistisch betätigt?

Nicht sehr oft, aber doch einige Male, vor allem in Italien und wenn sich einfach etwas ergab. So habe ich u.a. Konzerte von Haydn (C-Dur), Elgar und Vivaldi (Doppelkonzert) gespielt, aber auch kleinere Stücke von David Popper (1843 – 1913).

Was bedeutet Ihnen Salzburg?

Ich habe mich sehr gefreut, dass ich für ein Auslandssemester in die Großstadt Paris kommen konnte. Dort ist unendlich viel los, die vielen Museen, aber die Hektik, der Verkehr, die Entfernungen, das Großstadtleben, alles zusammen verursacht einfach viel Stress. Den Unterschied habe ich erst wieder in Salzburg bemerkt und schätzen gelernt. Es bedeutet mir viel, hier leben und arbeiten zu können.

Was bedeutet Ihnen Musik?

Alles! Vor allem, wenn es einem nicht gut geht. Für mich ist es das Schönste, Kammermusik und im Orchester zu spielen. Das macht mich glück

Stand:

2017
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