Solobratsche

Milan Radic Viola Bratsche
Milan Radic
© Privat

Solobratsche

Brigitta Lamer im Gespräch mit Milan Radic

Bei den Bratschen ist seit Juni ein „Neuer“ dazugekommen. Es wäre ein sehr netter junger Mann, so sagte man mir. Nun, bei einer Probe der Bruckner-Symphonie für das Festspielkonzert, habe ich ihn getroffen und gleich zu einem Gespräch eingeladen.

Geboren wurde Milan Radic 1965 in der Slowakei. Die eine Hälfte der Familie lebt in Wien, die andere in Preßburg. Die Eltern wollten immer, dass der Sohn einmal Musiker wird, denn das wäre ein guter Beruf. Vorbild war der Geigenspieler Vaclav Hudecek. So wurde er mit sieben Jahren schon zweimal pro Woche in die Musikschule zum Geigenunterricht geschickt. Dem Milan hat das nicht so viel Freude gemacht, aber Übung musste sein und die Eltern wollten es. Nach der Grundschule ging er auf das Konservatorium und studierte dort zuerst zwei Jahre Geige. Als er 17 Jahre alt war, wollte er nicht mehr Geige spielen. Er hatte den Klang einer Bratsche im Ohr und entschied sich für dieses Instrument. 1986 beendete er das Konser­vatorium mit sehr gutem Abschluss. Während seiner Studienzeit spielte er mit Kammerorchestern Konzerte in der Slowakei und gewann auch bei zwei nationalen Konzerten Preise. Nach dem Konservatorium hat er 4 Jahre lang in Prag auf der Akademie für Musik bei Prof Milan Skampa (Mitglied vom Smetana Quartett) studiert und 1990 den Abschluss mit Auszeichnung gemacht. Da er fühlte, dass er weiter studieren muss, besuchte er ein Jahr die Meisterklasse auf dem Königlichen Konservatorium bei Jozef Kodousek in Dänemark.
Danach hat er als Solobratseher im Kammerorchester von Preßburg gespielt. In der Zwischenzeit hat er eine Preßburgerin geheiratet und die Familie zählt nun zusätzlich einen achtjährigen Sohn und eine fünfjährige Tochter.

1995 ging die ganze Familie nach Japan, aber nicht wegen der Musik, sondern weil seine Frau Japanisch studieren und eine bestimmte Zeit in Japan leben wollte. Milan Radic spielte im Symphonieorchester in Osaka Solobratsche. Der Aufenthalt wurde immer wieder um ein Jahr verlängert, weil es in Japan außerordentlich interessant war. Er hat eigene Soloabende mit Klavierbegleitung in Tokio, Osaka, Kobe und Kyoto gegeben. Dabei war ihm seine Frau eine große Stütze. Während der Japan-Zeit hat er 3 Sommerurlaube in Italien verbracht und in Siena bei Yuri Bashmet die Meisterklasse mit Diplom und Auszeichnung abgeschlossen. Ebenso hat er Privatstudien in Japan bei Prof Ruben Gonzales und in Wien bei Prof Ochsenhofer genommen. Dieser hat ihn auf die freie Stelle beim Mozarteum Orchester aufmerksam gemacht. Nach erfolgreichem Probespiel ist er nun bei uns hier in Salzburg. Dies war immer schon sein kühnster Traum, und er ist deshalb sehr glücklich. Von den Orchesterkollegen wurde er sehr gut aufgenommen. Es ist also alles in bester Ordnung, und die musikalischen Erfolge dürften somit nicht ausbleiben.

Seit Anfang August ist auch die Familie aus Japan hier, und sie wollen gemeinsam in ihrer Freizeit das herrliche Salzburger Land erkunden.

Ich wünsche Milan Radic und seiner Familie am neuen Standort in Salzburg erlebnisreiche Jahre.

Stand:

1998
Milan Radic
© Privat