Der sportliche Alpensinfoniker am Horn

Paul Pitzek Horn
© Privat

Der sportliche Alpensinfoniker am Horn

Seit März 2020 ist er koordinierter Solohornist im Mozarteumorchester: Paul Pitzek. Er kommt aus Kolbnitz im schönen Kärntner Mölltal. „Mein Onkel war Solobassist im RSO Wien, mein Großvater war ein vielseitiger Unterhaltungsmusiker“, erzählt er. „In der dritten Klasse der Volksschule kamen Mitglieder der Trachtenkapelle meiner Heimatgemeinde und stellten ihre Instrumente vor. Ich war sofort fasziniert vom Horn!“ Der begabte Bub erlernte also dieses Instrument in der Musikschule und begann bald, Preise bei „Prima la  Musica“ zu sammeln. Schließlich studierte er in München bei einem seiner Vorgänger im Mozarteumorchester. Nach dem BachelorDiplom wurde Paul Pitzek Akademist im Orchester der Hamburgischen Staatsoper und später hatte er einen Zeitvertrag an der Deutschen Oper Berlin, wo Donald Runnicles seit dem Jahr 2009 Generalmusikdirektor ist. Das waren wichtige Lehrjahre „und die große Oper, besonders die von Wagner und Richard Strauss, vermisse ich nun ein wenig“, meint er.

Große Oper gab es auch im südfranzösischen Montpellier, wo seit 2015  Michael  Schønwandt  als  Chefdirigent  wirkt.  „Es  war  eine wunderbare Zeit.  Montpellier  ist  eine  mediterrane  Metropole  am Meer, eine alte, aber sehr jung wirkende Stadt, was auch mit den vielen Studierenden zu tun hat. Das gute Essen und den Wein kann man auch genießen“, erzählt der sportliche, aber keineswegs asketische Musiker. „Ich hatte dort eine Karenzvertretung für einen Kollegen, der nicht zurückkam. Ich hätte bleiben können, gewann aber  am  3.  Juni  2019,  meinem  Geburtstag,  das  Probespiel  beim Mozarteumorchester. Plötzlich hatte ich zwei tolle Angebote.“

Paul Pitzek entschied sich „für daheim“, gastiert aber immer noch gerne in Montpellier. Im Sommer 2019 meldete sich das Bundesheer, das er vorher aufgeschoben hatte. „Es ist mir gelungen, noch meinen geplanten Urlaub in den Bergen von Kirgistan zu machen und am 1. September zur Militärmusik Kärnten gehen zu können. Die folgenden sechs Monate waren interessant und lustig, da ich zehn  Jahre  älter  als  meine  Kameraden  war.  Wir  haben  nicht  nur Märsche,  sondern  auch  viel  symphonische  Blasmusik  gespielt. Dann habe ich großes Glück gehabt, da ich gerade noch rechtzeitig vor den Corona-Maßnahmen abrüsten konnte. Ich fuhr direkt nach Salzburg, trat meinen Dienst im Mozarteumorchester an und landete im Lockdown. Für mich war das gar nicht so schlimm, denn als begeisterter Bergsteiger und Gleitschirmflieger findet man Wege, sich in Freiheit bewegen zu können. Die Natur ist für mich neben der Musik sehr wichtig und ein wunderbarer Ausgleich.“

Paul Pitzek hat schon etliche Gipfel im Pamir-Gebirge und in den Anden bestiegen und bevorzugt auch dort den „Alpinstil“, gemeinsam mit einem Bergkameraden oder allein und ohne Helfer. „In den Alpen hat man einen Rucksack und geht rauf und runter, einen oder zwei Tage lang. Bevor man die viel höheren Berge etwa in Kirgistan besteigt, muss man sich natürlich an die dünne Luft anpassen, man braucht viel mehr Ausrüstung und es gibt eine Lagerkette bis zum Gipfel, aber wir gehen im Prinzip wie in den Alpen und auch ohne Sauerstoff.“ Das Bergsteigen lässt sich oft mit dem Paragleiten gut verbinden. Wenn man Glück hat, kann man Paul Pitzek auch vom Gaisberg fliegen sehen, aber er ist häufiger in den Stubaier Alpen zu finden und liebt auch das „Speed Flying“ mit kleinerem Schirm, bei dem alles schneller und näher am Erdboden vor sich geht. Die Sache ist nicht ungefährlich, doch „die Angst ist nicht größer als die Angst vor dem Kieksen am Horn …“

Kehren wir also zurück zur Musik. Im Mozarteumorchester ist Paul Pitzek „wunschlos glücklich“ und seit heuer auch Betriebsrat. Da-neben gastiert er nicht nur in Montpellier, sondern hin und wieder auch in der Camerata Salzburg, beim Stuttgarter Kammerorchester  und  anderswo.  Sehr  am  Herzen  liegt  ihm  auch  die  Kammer-musik, während „der Jazz am Horn praktisch nicht existiert“. Die Volksmusik,  in  der  seine  Wurzeln  liegen,  hat  er  auch  nicht  ganz vergessen. Gibt es einen Lieblingskomponisten? „Viele und nicht nur die ständig gespielten. Zum Beispiel habe ich mit großer Be-geisterung Erich Wolfgang Korngolds Oper Die tote Stadt gespielt, was für eine tolle Musik!“ Doch ganz besonders liebt er die Musik von Richard Strauss, nicht nur deswegen, weil dessen erstes Horn-konzert das Probespielstück der Hornisten ist und das zweite „ein Werk  höchster Vollendung.“  Die  „wunderbare  Klangmalerei“  und die schönen Aufgaben für sein Instrument in den Opern und Tondichtungen von Strauss hat er schon in der Schule entdeckt und später galt seine Dissertation an der Musikuniversität dem Thema „Richard Strauss und das Horn“. Also freut er sich sehr darauf, dass das Mozarteumorchester im Herbst für das Landestheater und die Kulturvereinigung den Rosenkavalier spielen wird.

Der Alpinsport ist mehr als ein Hobby für Paul Pitzek, der sehr gerne Reisen unternimmt und nicht weniger als fünf Sprachen spricht  – Deutsch, Englisch, Französisch, Spanisch und Russisch, letzteres ist „ein wenig eingerostet“. Doch er mag auch den heimatlichen Kärntner  Dialekt.  Für  seine  Zukunft  als  Musiker  wünscht  er  sich ein „gute Balance zwischen Oper und Konzert“ und das wünschen wir uns mit ihm. Und es darf nicht nur der selbstredend geliebte Mozart  sein,  sondern  vielleicht  wieder  einmal  in  einer  Sonntagsmatinee die Alpensinfonie „seines“ Richard Strauss!

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