Ein Wiener mit Hang zum Meeresrauschen

Ein Wiener mit Hang zum Meeresrauschen

Peter Branner im Gespräch mit Reinhard Gutschy

Wer die Uraufführung von Fazil Says 3. Symphonie „Univers“ im Großen Festspielhaus miterlebt hat, dem wird aufgefallen sein, dass sich Reinhard Gutschy, seines Zeichens Klarinettist des Mozarteumorchesters, plötzlich erhob und ein rundes Ding langsam kreisförmig bewegte. Ein höchst ungewohnter Anblick. Das erzeugte Geräusch klang sehr nach dem Rauschen des Meeres.


Jetzt sind Sie seit 1980 – also mehr als dreißig Jahre – im Mozarteumorchester, aber als Schlagwerker haben wir Sie noch nie erlebt. Was war das für ein Instrument?

Es war auch für mich eine neue Erfahrung. Da meine Klarinette Pause hatte, bekam ich von Fazil Say – wie andere Musiker auch – ein Instrument in die Hand gedrückt. Bei mir war es ein Ocean Drum, eine beidseitig mit Ziegenleder be-spannte Rahmentrommel, die mit Stahlkügelchen gefüllt ist. Wenn das Instrument behutsam gekippt wird, dann er tönt ein Meeresrauschen. Für diese Aufgabe musste ich vorher richtig üben, damit es auch dementsprechend klingt.

Apropos Aufgabe: Sie sind seit wenigen Wochen auch ein neu gewählter Betriebsrat. Welche Ziele haben Sie sich gestellt?

Im Gegensatz zu früher (Anm: 25 Jahre als Soloklarinettist) habe ich inzwischen mehr Zeit, ich kenne den Betrieb besser, kenne auch gewisse Schwachstellen und deshalb ist es mir ein Anliegen, dass gewisse Abläufe durchsichtiger gestaltet werden und dadurch die Kommunikation untereinander verbessert wird. Wir sind immerhin eine stattliche Anzahl von Musikerinnen und Musikern, weshalb alle gleich informiert sein sollten, denn es ist ja nicht so wie in einem Betrieb, dass alle jeden Tag regelmäßig an ihrem Arbeitsplatz zu finden sind. Hinzu kommt, dass sich die Aufgaben und Anforderungen für uns als Orchestermusiker sicher verändern werden. Damit der Fortbestand des Orchesters auch in Zukunft gesichert ist, sollten wir neben der Konzert- und Theatertätigkeit offen sein für neue Aufgaben, und auch andere Formen der Musikvermittlung finden. Als Betriebsräte sind wir da an der Nahtstelle zwischen den Wünschen von Konzertveranstaltern, Theatern, Schulen, und der Öffentlichkeit im Allgemeinen und den Ideen von uns Musikern. Eine Aufgabe, die noch sehr interessant werden kann.

Sie pflegen besonders den Kontakt zu jungen, zum Teil neu eingetretenen Orchestermitgliedern. Gibt es Unterschiede in der Ausbildung im Vergleich zu der Zeit, als Sie im Orchester angefangen haben?

Die gibt es sehr wohl. Als meine Generation angefangen hat, unterrichteten die Lehrer mehr nach dem Prinzip „Entweder du kommst durch oder nicht“. Heute ist die Pädagogik ein gutes Stück weiter und es wird auf grundlegende Dinge, wie Haltung und Atem Wert gelegt. Wir merken das auch bei den Probespielen. Es treten sehr viele Teilnehmer an und das durchschnittliche Niveau der Kandi- daten wird immer besser. Spitzenleute sind allerdings noch immer schwer zu finden. Den Kontakt zu den neuen, jungen Kollegen pflege ich auch deswegen gerne, weil ich sie, soweit ich das als Betriebsrat kann, im Alltag unseres Berufes unterstützen will und auch, um ihnen in Zukunft mehr Mitbestimmung im Orchester zu ermöglichen.

Sie selbst sind Wiener, haben in Wien studiert bei Alfred Rosé, dem Soloklarinettisten der Wiener Symphoniker, dann weiter beim berühmten Peter Schmidl von den Wiener Philharmonikern, und Sie haben mit Auszeichnung abge -schlossen. Sie haben seinerzeit den Wiener Stil kennen-gelernt und auch bei diesen Orchestern substituiert. Hat sich in der Bauweise der Klarinetten etwas verändert?

In Wien wird noch immer fast ausschließlich auf Klarinetten der einst böhmischen, seit Kriegsende in Wattens in Tirol beheimateten Traditionsfirma Hammerschmidt, geblasen. Ich spiele jetzt auf Klarinetten der Firma Schwenk & Seggelke aus Bamberg. Sie haben viel Zeit und Wissen in ihre Arbeit investiert. Es ist ihnen so gelungen, Verbesserungen von Klang, Intonation und der Klappenmechanik zu erreichen.

Nun haben Sie in Ihrer doch schon längeren Laufbahn auch die Entwicklung mit der historisch orientierten Spielweise erlebt. Wirkt sich die auch bei der Klarinette aus?

Die Klarinette ist speziell in der Zeit Mozarts aufgekommen, der sie sehr geliebt hat. In historisch orientierten Ensembles werden Nachbauten aus dem 18. Jahrhundert verwendet, die aus einem anderen Holz erzeugt sind, weniger Klappen und ein etwas anderes Mundstück aufweisen. Sie klingen auch anders und verlangen auch eine andere Spielweise. Ich habe mich aber weniger damit beschäftigt, weil mich die Musik des 19., aber besonders die des 20. und 21. Jahrhunderts mehr interessiert.

Sie werden also in nächster Zeit nicht zum Ocean Drum wechseln?

Dieses Instrument zu spielen war für mich auf jeden Fall eine interessante Aufgabe. Was „Ocean“ anlangt, werde ich in den nächsten Tagen zu meinen Kindern und Enkeln über den Ozean nach Australien fliegen und freue mich sehr, sie wiederzusehen.

Dazu wünsche ich Ihnen gute Reise!

Stand:

2013