Ein Leben zwischen Gegensätzen

Ein Leben zwischen Gegensätzen

Peter Branner im Gespräch mit Gabi Fischer

Wenn Sie, wie es unser Titelbild veranschaulicht, durch den Eingang ins Orchesterhaus treten, um ein Kammerkonzert oder einen Treffpunkt Musik-Abend zu besuchen, dann war sie bereits mit im Spiel. Wir können daher locker sagen, ohne sie geht gar nichts: Gabi Fischer. „Direktions-assistentin“ steht auf ihrem Türschild. Jeder Termin, den der Verein für seine Veranstaltungen benötigt, wird – nein, muss! – mit ihr vereinbart werden. Sie hat den Überblick, weiß, wer, wann und wo in welchem Saal gerade jetzt oder in 136 Tagen probiert oder etwas aufführt. Der Wort-teil „-assistentin“ klingt für den umfangreichen Aufgabenbereich, für den Gabi Fischer zuständig ist, etwas harmlos, gemessen am Umfang und der Wichtigkeit ihrer Tätigkeiten. Wenn man unter „Grauer Eminenz“ eine ein?ussreiche Person versteht, die nach außen kaum in Erscheinung tritt, dann dürfte man richtig liegen, wenngleich sie äußerlich weder grau ist, geschweige denn Züge eines weiblichen Kardinals aufweist.


Wie lange arbeiten Sie schon für das MOS?

Am 1. September waren es 26 Jahre.

Wo waren Sie vorher tätig?

Meinen ersten Job hatte ich 1980 bei einem internationalen Technologie- und Dienstleistungsunternehmen. In dieser Zeit brachte meine Firma einen der ersten kommerziellen PCs auf den Markt, wie wir sie heute kennen. Diese neue Technik hat mich sofort in ihren Bann gezogen und mich so fasziniert, dass ich nach kurzer Zeit für unsere Kunden Applikationen ausarbeiten durfte.

Das erscheint für die damalige Zeit doch etwas ungewöhnlich. Aus welcher Schule sind Sie gekommen?

Ich war im Bundesgymnasium in der Josef-Preis-Allee, bin aber in der 6. Klasse ausgestiegen und habe mich um eine Stelle bei besagter Computerfirma beworben. Parallel dazu nahm ich einen neuen Anlauf und besuchte das Abendgymnasium im zweiten Bildungsweg.

Das klingt ein wenig nach Sturm und Drang.

Ja, das war es auch. Mein erklärtes Berufsziel wäre der Sport gewesen, dem gegenüber stand jedoch die elterliche Erwartung, etwas „Ordentliches mit Zukunft“ zu machen.

Gab es vielleicht den elterlichen Wunsch in Richtung Musik?

Ja, das war meiner Großmutter ein echtes Anliegen. Ich hatte einen geigenden Großvater und eine Großtante, die ausgebildete Sopranistin war. Damit war für meine Großmutter klar, dass ich, als ihr erstes Enkelkind, die Musikalität selbstverständlich in den Genen habe. So wurde ich als Fünfjährige kurzerhand zum Klavierunterricht gebracht. Mein Lehrer war damals Ernst Hinreiner. Seine Bemühungen, mir das Instrument näher zu bringen, waren jedoch zum Scheitern verurteilt; ich war einfach zu jung. Nach einem Dreivierteljahr riet Prof. Hinreiner meiner Mutter, das Geld für den Unterricht besser in einen Pelzmantel zu investieren und meine musikalische Ausbildung noch etwas zurückzustellen. Mit sechs Jahren gab’s dann – ganz klassisch für die Zeit – Flötenunterricht und im Alter von sieben Jahren startete erneut mein Klavierunterricht. Eine meiner Lehrerinnen war Irmgard Hammerer. Unterricht hatte ich bis zu meinem 15. Lebensjahr.

Wie sind Sie zum Mozarteumorchester gekommen? Während der Tätigkeit in meiner ersten Firma ließ ich mich von einem unserer Kunden – einem kleinen, neu gegründeten Unternehmen für Marketing- und Managementberatung – abwerben. Dort war ich etwas mehr als zwei Jahre beschäftigt und habe sehr viel Neues und Interessantes gelernt. Was ich jedoch sehr vermisst habe, war der bisher gewohnte Umgang mit vielen Menschen und Kollegen. Deshalb sah ich mich nach etwas Neuem um und das Mozarteumorchester schien mir der geeignete Ort zu sein, trotzdem ich vorerst nur eine auf 12 Monate befristete Stelle als Krankheitsvertretung bekam.

Das Internet hat damals wahrscheinlich noch keine Rolle gespielt?

Nein, keinesfalls, doch der Computer hat mit mir Einzug gehalten. Es gab im Büro eine elektrische Schreibmaschine und einen Fernschreiber. Mein damaliger Chef, Dr. Peter Ramsauer, war offen für die neue Technik und hat der Anschaffung eines PCs zugestimmt.

Was fällt heute in Ihren Aufgabenbereich?

In erster Linie bin ich die Assistentin von Herrn Wolfram und kümmere mich um die jeweiligen anlassbezogenen Aufgaben. Dazu zählen die Vorbereitung und Erstellung von Unterlagen für Sitzungen unseres Orchesterausschusses, das sind die Eigentümervertreter des Mozarteumorchesters von Land und Stadt Salzburg, die Mitarbeit am Budget und die Erstellung von Ausschreibungen für Probespiele und deren Organisation, ferner die Themen Visa und Beschäftigungsbewilligungen für neu eintretende Musiker ohne EU-Staatsbürgerschaft oder die Arbeitsgenehmigungen für unsere Musiker bei Tourneen des Mozarteumorchesters außerhalb der EU. Weiters kümmere ich mich um die mittel- bis langfristige Terminplanung für das Orchester hinsichtlich Proben, Konzerten, Vorstellungen und Tourneen und die damit zusammenhängenden Kontakte mit Auftraggebern und Veranstaltern.

Gibt es noch EDV-Agenden für Sie?

Die halten mich immer noch gut beschäftigt, denn wir führen eine eigens angepasste Datenbank, die wir weiterentwickeln wollen. Aus dieser Datenbank generieren wir unsere Monats- und Wochenpläne für das Orchester. Die Musiker erhalten z.B. ihre individuellen Diensteinteilungen automatisiert aufs Smartphone, die Auftrittsdaten leiten wir von der Datenbank auf unsere Website weiter und vieles mehr. Auch die Vernetzung unserer Büro-Infrastruktur braucht immer wieder Betreuung und jemanden, der als Schnittstelle zu den verschiedenen externen Partnern fungiert.

Gibt es für Gabi Fischer auch ein Leben außerhalb des Mozarteumorchesters?

Mein Mann und ich haben eine kleine Schafzucht.

Das ist sicher ein zeitaufwendiges Hobby?

Das stimmt, aber Schafe zu halten, hat auch etwas sehr Schönes an sich. Durch ihr friedvolles und genügsames Wesen können Schafe schon sehr zu Entspannung und innerer Ruhe beitragen.

Zu Ihrer Menagerie gehört auch ein Hund?

Es sind sogar zwei Hunde, die wir jetzt besitzen. Ben und MoMo sind echte Arbeitshunde mit australischem Ursprung, die die Schafe am Gelände selbständig einsammeln und stressfrei zu uns bringen, damit wir ihren Allgemeinzustand kontrollieren können. Sie sind uns eine große Hilfe, um das tägliche Betreuungspensum neben unseren Jobs zu bewältigen.

Werden Sie Ihr Hobby in einigen Jahren in die Pension mitnehmen?

Das ist unser Plan; denn auch die Tiere gehören unmittelbar zu unserem Lebensentwurf. Obendrein wollen wir wissen, woher unser Essen kommt. Dazu zählt auch das selbst gebackene Brot. All das wollen wir in unserem Altersdomizil im Waldviertel weiter ausbauen und dort unsere kleine Landwirtschaft betreiben.

Möge Ihnen alles bestens gelingen! ?

Stand:

2018