Entdeckungen hinter dem Orchester

Entdeckungen hinter dem Orchester

Wer die Frage beantwortet haben möchte, was in einem Künstlerischen Betriebsbüro geschieht, wird im 1. Stock des Orchesterhauses bei einer Tür ein Schild mit einem Namen entdecken, der einem höchst „spanisch“ vorkommt, weil er so chinesisch klingt. Und siehe da, die junge Dame, die den unsicheren Besucher sehr freundlich empfängt, klärt ihn gleich in bestem Deutsch auf, dass ihr Name „Schau“ ausge-sprochen wird.

 

Ihr Deutsch klingt so, als wären Sie in Deutschland geboren?

Ich bin zwar in China geboren, habe aber dort lediglich die Grundschule besucht. Aufgewachsen bin ich in Köln und in Düsseldorf habe ich mein Abitur gemacht. Ich kann zwar chinesisch sprechen, aber wenn es um Fachbegriffe geht, fühle ich mich schon in der deutschen Sprache sicherer.


Wo in China sind Sie geboren?

In Hángzhou. Das ist die Hauptstadt der Provinz Zhejiang. Es ist eine kleinere Stadt und hat über sieben Millionen Einwohner.


Sie kamen wahrscheinlich mit Ihren Eltern nach Deutschland.

Meine Mutter erhielt 1989 ein Stipendium und kam dadurch nach Deutschland. Auch mein Vater hat in Deutschland studiert, und zwar Kunstgeschichte. Er war Regisseur und hat früher viele Dokumentarfilme gedreht. Jetzt ist er Kulturmanager und organisiert in China verschiedene Events, z. B. hat er 2008 die Paralympics in Peking mitgestaltet.


Der Titel „Dipl. VW“ auf ihrem Türschild verrät, dass Sie Wirtschaft studiert haben.

Das hat sich einfach so ergeben.


Wie kamen Sie dann ins Kulturmanagement?

Anfangs war für mich die Frage, ob ich mich für die Wirtschaftsschiene entscheide oder ins Kulturmanagement gehe. Schon während des Studiums erhielt ich die Möglichkeit zu einem ersten Praktikum in der Kölner Philharmonie. In der Folge konnte ich einige Zeit bei einer Agentur in New York arbeiten. Ab dann wusste ich, dass dies mein Beruf werden soll. Nach dem Studium ging ich nach London. Bevor ich nach Salzburg kam, arbeitete ich in Shanghai.


Wie hat es Sie dann nach Salzburg verschlagen?

Frau van Hazebrouck kannte mich von Düsseldorf.


Wenn das MOS nun heuer eine Tournee nach China unternimmt, dann können Sie das Nötige in Ihrer Muttersprache abwickeln.

Ja, darauf freue ich mich.


Was geschieht nun in einem Künstlerischen Betriebsbüro?

Meine Tätigkeiten sind sehr umfangreich; man nannte es früher „Produktionsleitung“. Alle Konzerte werden von mir in dem Sinne durchgeführt, dass ich die Probenpläne erstelle bzw. mit Dirigenten und Solisten abstimme. Ferner sind die Künstler zu betreuen. Eine besondere Aufgabe ist die Planung einer Tournee. Dazu gehört die Buchung aller Flüge und Hotels, nicht zu vergessen die notwendige Abstimmung vieler Details mit den Veranstaltern, z. B. die Frage, wie lange dauert die Fahrt vom Flughafen zum Hotel. Bevor wir auf eine Tournee gehen, wird diese im Voraus zeitlich durchgeplant.


Sind Sie auch für Verträge mit den Künstlern zuständig und verhandeln Sie auch die Gagen?

Die fertigen Verträge bekomme ich, weil ich wissen muss, welche Rechte und Pflichten wer hat. Ausverhandelt werden sie von der Orchesterdirektorin, die auch die Gagenverhandlungen führt.


Nun gibt es Situationen, besonders wenn ein Künstler erkrankt und Ersatz gefunden werden muss. Was bedeutet das für Sie?

Da wird es oft spannend, vor allem, wenn wenig Zeit vorhan den ist. Da sind rasch Entscheidungen zu treffen, die wiederum mit dem Dirigenten abgestimmt werden müssen.


Wie sieht Ihre Freizeit aus? Sind Sie in Salzburg schon heimisch?

Ich bin wegen der Arbeit hier und es macht mir nichts aus, wenn ich an Wochenenden oder Feiertagen arbeiten muss. Mittlerweile fühle ich mich sehr wohl in Salzburg, speziell in meiner Wohnung. Gerade wenn ich von einer Tournee zurückkomme in das kleine Salzburg, finde ich es sehr gemütlich hier im Gegensatz zum strapaziösen Shanghai.


Gehen Sie oft in ein Chinarestaurant?

Nein, nur mit einem Besuch aus China. Daheim koche ich europäisch.

In Ihrem Büro hängt ein großes Plakat von Audrey Hepburn? Sind Sie ein Fan von ihr?

Das nicht, aber ich finde das Plakat sehr ästhetisch. Außerdem hat sie auch Ballett getanzt und mein Traumberuf wäre Balletttänzerin.

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