Zuhause auf der Posaune und im Web

Zuhause auf der Posaune und im Web

Gottfried Franz Kasparek im Gespräch mit Thomas Weiss

Das Wetter ist gerade zur rechten Zeit wieder schön geworden. Und so sitze ich an einem angenehmen Nachmittag mit Thomas Weiss in einem Gastgarten im Nonntal. Wann hat der junge Posaunist erstmals im Mozarteumorchester gespielt? Es war 2007 in einem Konzert des Landesjugendorchesters, dessen Mitglied er damals war und das gemeinsam mit dem Mozarteumorchester unter der Leitung von Hubert Soudant Carl Orffs „Carmina Burana“ im Großen Festspielhaus interpretierte. Der erste Eindruck war die kollegiale Verteilung der Posaunenstimmen. Der gerade 17-jährige Thomas Weiss war zwar Tenorposaunist, spielte aber die Stimme der Bassposaune, die eigentlich zwei Ventile mehr hat. Es machte ihm große Freude und er wechselte zum tieferen Instrument. Dazu kommt mittlerweile auch die noch tiefere Kontrabassposaune.

Thomas Weiss ist ein echter Salzburger, geboren und aufgewachsen in Pöham bei Bischofshofen. Die Mutter sang lange Jahre im Kirchenchor, der Vater spielt Posaune in einer der drei Blasmusikkapellen der Pongauer Stadt, in der Trachtenmusikkapelle Pöham. Auf Wunsch der Blasmusik erlernte Thomas statt dem gewünschten Instrument Trompete das Tenorhorn, das ebenfalls zur Posaunenfamilie gehört und mitunter auch in der Klassik vorkommt, etwa in der 7. Symphonie von Gustav Mahler. Mit der Schwerpunkt Musik-Gruppe aus seiner Schule, dem MPG St. Rupert, war er oft in Konzerten der Salzburger Kulturvereinigung und lernte so schon früh das Repertoire kennen und lieben: „Es waren vor allem Sinfonien von Anton Bruckner und besonders auch die Alpensinfonie von Richard Strauss die mich früh schon beeindruckt haben.“ Mit 14 Jahren nahm er dann die „normale“ Posaune dazu. Der erste Lehrer war Gernot Pracher am örtlichen Musikum, am Mozarteum in Salzburg war es Dany Bonvin, Soloposaunist der Münchner Philharmoniker, der den jungen Musiker sehr prägte.

Nach seiner Zeit am Bruckner-Konservatorium war es vor allem Bonvin, der ihm wieder die nötige Motivation und das Selbstvertrauen am Instrument zurückbrachte – und der unvergessliche Gerhard Proschinger vom Mozarteumorchester wurde im Lauf des Studiums ebenfalls ganz wesentlich für ihn. In Linz spielte Thomas Weiss in der Militärmusik, bald kamen Auftritte im Orchester der Universität Mozarteum, in Bad Reichenhall, mit der Jungen Philharmonie und der Bläserphilharmonie in Salzburg sowie im Tiroler Symphonieorchester.

„Nach der krisenhaften Zeit in Linz“, erzählt der sympathische und vielseitige Musiker, „habe ich zunächst Lehramt Musik und Geographie am Mozarteum studiert, aber Dany Bonvin brachte mich schnell zurück zur Posaune. Immer wieder war ich auch Substitut im Mozarteumorchester, bei dem ich 2014 meinen ersten Zeitvertrag für eine Saison bekam, 2016 dann einen durchgehenden, bis ich im Jänner 2018 das Probespiel im Orchester gewann. Seit 2019 bin ich nun festes Mitglied im Orchester. Es ist eine große Ehre für mich, an der Bassposaune der Nachfolger von Gerhard Proschinger, der leider nicht mehr unter uns ist, zu sein. Er war es ja, der mich damals bei ‚Carmina Burana’ zu diesem Instrument gebracht hat.“

Thomas Weiss hat in seiner Kindheit viel Volksmusik, natürlich auch gute Rockmusik – „eher die ältere, leider ist diese Musik jetzt nicht mehr so interessant“ – und natürlich das Blasmusikrepertoire gehört: „Ein schöner Marsch kann etwas Wunderbares sein. Und man lernt in der Blasmusik das Soziale, das Miteinander aller Altersgruppen. Ich bin mit 12 Jahren neben einem 60-jährigen Kollegen gesessen. Es ist wichtig, dass sich die Generationen untereinander austauschen, nicht nur in der Musik…“

Im Mozarteumorchester und in der Posaunengruppe fühlt sich Thomas Weiss sehr wohl – „vor allem die Kollegen an der Posaune sind nicht nur Kollegen, sondern über die Jahre wirklich enge Freunde geworden.“ Er spielt auch sehr gerne in kleineren Formationen und, wenn es die Zeit erlaubt, in der Trachtenmusikkapelle Pöham. Daneben hat er ein reges Interesse an anderen Musikstilen, besucht gerne das Jazzit und interessiert sich für Elektronik. „Jazz habe ich noch kaum gespielt, aber es lockt mich immer mehr, Neues auszuprobieren. Mal schauen, was noch so kommt“, meint er. Als Orchestermusiker liebt er Mozart, aber es ist schade, „dass der doch so wenig, wenn auch toll für mein Instrument komponiert hat.“ Natürlich ist es wunderbar, Brahms, Bruckner, Mahler, Richard Strauss „zum Beispiel die wahnsinnige Posaunenstelle im ‚Till Eulenspiegel’“, oder klassische Moderne zu spielen. Hoffentlich darf das „große Repertoire“ in dieser schwierigen Coronazeit bald wieder geprobt und gespielt werden. Mit Freude agiert Thomas Weiss auch im Orchestergraben, wo er Wagners „Lohengrin“ sehr genossen hat. „Die Mischung von Konzert und Oper ist sehr wichtig für die Qualität eines Orchesters“, findet er. Und genießt auch die Zusammenarbeit mit Chefdirigent Riccardo Minasi, „der tolle und neue Zugänge zur Klassik hat“, sowie mit Ehrendirigent Ivor Bolton, dem er einige große Eindrücke verdankt und „der auch weiß, dass man es manchmal ein wenig laufen lassen muss, damit große Musik entsteht.“

Seit etlichen Jahren unterrichtet er auch selber am Musikum Pinzgau. Den notwendigen Ausgleich zum Musikerleben findet Thomas Weiss beim Bergwandern oder beim Rennradfahren. Es gibt, angeführt von Solohornist Rob van de Laar und den Orchesterwarten, sogar eine kleine Rennradgruppe im Orchester. „In der Natur zu sein, Sonne zu spüren und Sport zu machen ist sehr wichtig.“ Neben seinen Studien am Mozarteum und am Konservatorium in Innsbruck hat sich Thomas Weiss, der in Salzburg nebenbei von 2014 bis 2018 Kommunikationswissenschaften studiert und in diesem Fach einen Bachelor erworben hat, mit dem immer mehr in den Hintergrund geratenden Kulturjournalismus beschäftigt. Die Medienlandschaft und auch die Medienökonomie faszinieren ihn und so gestaltet er für das Mozarteumorchester auch Social Media-Projekte, erzählt auf Plattformen wie Facebook Hintergrundgeschichten aus dem Leben der Musikerinnen und Musiker, wie über die Oboenrohre bauende Kollegin Sasha Calin. „Wir sind ja alle ganz normale Menschen, das soll auch unserem Publikum erzählt werden. Da gibt es so viele interessante Menschen in der Musik und vor allem auch Geschichten zu den verschiedenen Instrumentalisten. Man muss sich heute entsprechend positionieren. Wir sind eines der großen Orchester Österreichs – und ein besonders vielschichtiges!“

Eineinhalb Stunden sind wie im Flug vergangen und Thomas Weiss muss zum nächsten Termin. Alles Gute und bis bald!

Stand:

2021